Kenne die Risiken deiner KFO-Behandlung (... oder: Was in der Aufklärung gerne mal durchrutscht)
INVISALIGN


Invisalign klingt harmlos – doch die Behandlung birgt mehr Risiken, als viele denken. Zahnfleischrückgang, Schmelzschäden, Tinnitus & Co: Hier erfährst du, worauf dich niemand vorbereitet und welche Nebenwirkungen wirklich auftreten können.
Vor der Behandlung unterschreibt man ja so einiges. Aufklärungsbögen, Haftungsausschlüsse, Einverständniserklärungen – Papierkram deluxe. Und wenn man sich brav durchliest, was da so drinsteht (Spoiler: tun die wenigsten), merkt man: Es gibt eine ganze Menge möglicher Nebenwirkungen.
Aber seien wir ehrlich – die meisten von uns denken trotzdem: „Wird schon alles gut gehen. Ich will doch nur ein bisschen meine Zähne begradigen.“ Und genau deshalb kommt hier meine persönliche Ergänzung zu den offiziellen Risiko-Listen, basierend auf dem, was ich tatsächlich erlebt habe. Denn eine Zahnbewegung ist nichts, was heimlich, leise und elegant im Hintergrund passiert. Es ist Knochenumbau. Biologisch gesehen: Mini-Tsunamis in deinem Kiefer. Und die machen sich bemerkbar.
1. Zahnfleischrückgang – auch bei sanfter Bewegung
Dass man sich bei radikalen Zahnbewegungen vielleicht ein bisschen Zahnfleisch einbüßt, kann man sich ja irgendwie noch vorstellen. Aber bei mir wurden manche Zähne kaum bewegt und trotzdem ist das Zahnfleisch zurückgegangen. Nicht blutig, nicht dramatisch, aber sichtbar. Und dauerhaft.
Scheinbar reicht schon der konstante Druck durch die Schienen oder eine kleine Bewegung, damit das Gewebe später auch reagiert. Die Zähne sind zwar schön gerade, aber plötzlich länger. Cool ist das nicht. Und teuer wird’s auch, falls man irgendwann eine Zahnfleischtransplantation brauchen sollte.
2. Schmelzschäden – auch ohne Brackets möglich
Eigentlich war ich froh, keine klassische Spange mit Brackets und Draht gewählt zu haben. Kein Metall, kein fieses Kleben, kein Schmelzproblem… dachte ich.
In der zweiten Praxis (man beachte: zweiten, ich habe schon mal gewechselt) wurde beim Anbringen und später auch beim Entfernen der Attachments so „professionell“ gearbeitet, dass mein Zahnschmelz regelrecht zerkratzt wurde. Also haben meine Frontzähne nun nicht nur Kratzer, sondern auch Dellen. Nicht oberflächlich. Nicht wegpolierbar. Und vor allem: vermeidbar. Denn laut anderen Kieferorthopäden, die ich später besucht habe, hätte man auf den Frontzähnen gar keine Attachments gebraucht. Aber gut – jeder KFO hat seine eigene Vorgehensweise. Nur hat eben nicht jeder KFO auch ein gut geschultes Personal für die Arbeit mit Attachments.
3. Kiefergelenksprobleme – wenn keiner hinschaut
Die erste Praxis hat es geschafft, meine Zähne zu begradigen, ohne auch nur einmal meinen Kiefer funktionell zu untersuchen. Keine Funktionsanalyse, keine Kieferprüfung, keine Abklärung, ob das alles überhaupt zusammenpasst. Hauptsache gerade Zähne, dachte man sich wohl.
Das Resultat: Ich befinde mich jetzt in physiotherapeutischer Behandlung, weil mein Kiefer durch die Schienen in eine ungünstige Stellung gebracht wurde. Ich habe Gesichtsverspannungen und Kopfschmerzen – alles Dinge, die ich vorher nie hatte und die ich für schönere Zähne auch niemals riskiert hätte, wenn ich es geahnt hätte.
Ein guter Kieferorthopäde untersucht den Kiefer vorher – nicht nur optisch, sondern funktionell. Bei mir: Fehlanzeige.
4. Ohrgeräusche, Druck, Tinnitus – wenn der Kiefer aufs Ohr schlägt
Was in keiner Aufklärungsliste stand, aber definitiv auf meiner persönlichen Erfahrungsliste ganz oben gelandet ist: Ohrschmerzen und Tinnitus.
Klingt erstmal weit hergeholt? Ist es leider nicht. Der Kiefer sitzt anatomisch gesehen ziemlich nah am Ohr. Und gerade wenn sich die hinteren Zähne bewegen, wenn der Biss sich verändert oder dauerhaft Druck aufgebaut wird (z. B. durch nächtliches Pressen mit den Alignern), kann sich das direkt auf den Bereich um das Ohr auswirken.
Ich hatte phasenweise ein dumpfes Druckgefühl im Ohr, ein leises Piepen, manchmal auch richtig unangenehme Schmerzen – alles neu, alles während der Behandlung. Anfangs habe ich es gar nicht in Zusammenhang gebracht, aber je länger es andauerte, desto klarer wurde der Zusammenhang mit der Schienenphase und meinen Kiefergelenksproblemen.
Was mich besonders erschreckt hat: Ich bin mit dem Problem nicht allein. Wenn man sich mal in Invisalign-Foren, Facebook-Gruppen oder unter Betroffenen umhört, berichten viele über ähnliche Beschwerden. Manche sogar davon, dass die Ohrgeräusche nicht mehr weggegangen sind. Dauerhafter Tinnitus – als Nebenwirkung einer Zahnbegradigung. Ich hätte es nicht geglaubt, wenn ich es nicht selbst erlebt hätte.
Bei mir ist es glücklicherweise besser geworden, aber es war definitiv ein Risiko, das ich vorher nicht auf dem Schirm hatte.
5. Verfärbungen – selbst bei perfekten Zähnen
Dass sich Zähne rund um Attachments verfärben können, wenn man nicht ordentlich putzt, ist bekannt. Steht auch irgendwo im Kleingedruckten. Was ich allerdings nicht erwartet hatte: Dass sich auch die perfekt gepflegten, makellosen Zähne ohne Attachments verfärben, und zwar in Rekordzeit.
Meine Zähne – vorher weiß und glänzend – wurden innerhalb weniger Tage matt und gelblich. Und das nicht durch Beläge oder schlechte Pflege. Auch eine professionelle Zahnreinigung brachte die alte Farbe nicht zurück. Offenbar liegt das Problem tiefer.
Was kaum jemand erwähnt: Unser Speichel spielt eine wichtige Rolle für die Zahngesundheit – er remineralisiert, schützt, sorgt für Glanz. Wenn aber 22 Stunden am Tag eine Kunststoffschiene darüber liegt und der Speichel in der Schiene gefangen ist, geht dieser Schutz verloren. Und das sieht man. Leider.
Unter den Alignern ist die Speichelzirkulation stark eingeschränkt. Der Mund ist 22 Stunden am Tag im Schienen-Modus, quasi im eigenen Saft eingesperrt. Und die Zähne verlieren nach und nach das, was sie sonst in der natürlichen Umgebung aufrechterhalten: ihren Schutzfilm, ihren Glanz und auch ihre weiße Farbe.
6. Überempfindlichkeit, lockere Zähne – willkommen in der aktiven Phase
Jetzt kommen wir zu den Klassikern der Aufklärungsliste. Sie stehen alle irgendwo, meist hübsch durchnummeriert, aber man nimmt sie oft nicht ernst. Bis sie da sind.
Entkalkung und Karies: Besonders dort, wo sich Plaque in Schienen-Nischen oder um Attachments sammelt. Selbst bei guter Hygiene können weiße Flecken entstehen – Vorstufe zur Karies inklusive.
Überempfindlichkeit: Heiße oder kalte Getränke? Manchmal reicht ein Atemzug, um einen Blitz durch den Zahn zu jagen.
Vorübergehende Lockerungen: Ja, die Zähne müssen locker werden, um bewegt zu werden. Aber das Gefühl, wenn ein Zahn sich beim Essen auf einmal ein bisschen mitbewegt, ist... sagen wir: gewöhnungsbedürftig.
Druck auf das Zahnfleisch oder Weichteile: Gerade nach einem Schienenwechsel fühlt sich der ganze Mund an wie nach einem Boxkampf. Das Zahnfleisch weiß irgendwann nicht mehr, wohin mit sich.
Und was kaum einer offiziell anspricht, aber sehr viele erleben:
Kopfschmerzen.
In der aktiven Phase fast schon vorprogrammiert. Bei jedem neuen Aligner setzt der Druck wieder ein, die Kaumuskulatur arbeitet mit, und plötzlich spannt’s im Kiefer, in den Schläfen, manchmal bis hinter die Augen. Gerade in den ersten Tagen einer neuen Schiene, wenn der Druck besonders stark ist, reagiert nicht nur der Kiefer, sondern der ganze Kopf. Man presst unbewusst, hält die Spannung, schläft schlechter. Und schwupps: der Schädel pocht. Bei mir waren die Kopfschmerzen ein regelmäßiger Gast.
Fazit: Eine transparente Risiko-Liste sieht anders aus
Versteh mich nicht falsch: Ich will niemanden davon abhalten, eine Invisalign-Behandlung zu machen. Ich würde es wahrscheinlich sogar wieder tun, aber ganz sicher nicht so naiv wie beim ersten Mal.
Die offizielle Risikoaufklärung ist da – irgendwo zwischen Paragrafen, Einverständniserklärungen und Wartezimmerformularen. Aber sie ist nicht besonders vollständig oder ehrlich genug, was die Wahrscheinlichkeit vieler Nebenwirkungen angeht.
Mein Learning: Wenn du eine Invisalign-Behandlung beginnen möchtest, informiere dich nicht nur bei deinem Arzt, sondern auch bei Menschen, die das Ganze schon durchgemacht haben – mit allen Höhen und Tiefen. Und wenn du bei irgendwas ein komisches Bauchgefühl hast: Sprich es an. Bleib hartnäckig. Oder such dir jemanden, der es ernst nimmt.
Denn es geht nicht nur um schöne Zähne, sondern darum, dass du dich mit deinem GANZEN BISS am Ende wohlfühlst.
